IPCI & Artenschutz

25 Jahre Naturschutz, Wissenschaft und internationale Zusammenarbeit für den Fernambukbaum.

IPCI & Artenschutz

2000 – Aus Verantwortung wird eine Initiative

Die Geschichte der International Pernambuco Conservation Initiative beginnt 2000 in Paris im Umfeld der COMURNAT. Bogenmacher aus verschiedenen Ländern hatten erkannt, dass der Fernambukbaum (Paubrasilia echinata) nicht nur die Grundlage eines jahrhundertealten Handwerks ist, sondern als Art und als Teil der Mata Atlântica selbst Schutz braucht. Von Anfang an war die Idee deshalb größer als die bloße Sicherung eines Werkstoffes: Naturschutz, genetische Vielfalt, wissenschaftliche Forschung und eine langfristig nachhaltige Nutzung sollten miteinander verbunden werden.

Zu den frühen Initiatoren und Gründungsmitgliedern gehörten unter anderem Marco Ciambelli, Klaus Grünke, Yung Chin, Stéphane Thomachot, Edwin Clément, Jean-François Raffin, Arthur Dubroca und Mitsuaki Sasano. Aus der zunächst in Paris verankerten Initiative entstanden später weitere IPCI-Gruppen in Deutschland, den USA und Kanada.

Frühe Gründungsmitglieder und Initiatoren der IPCI
Frühe Gründungsmitglieder und Initiatoren der IPCI.
Frühe IPCI-Mitglieder in Brasilien
Internationale Zusammenarbeit gehörte von Beginn an zum Konzept der IPCI.

Partnerschaft statt Fernsteuerung

Ein Grundprinzip prägte die Arbeit von Anfang an: Die IPCI wollte Projekte in Brasilien nicht von außen bestimmen, sondern brasilianische Partner unterstützen, die über die wissenschaftliche, forstliche und regionale Kompetenz verfügen. Die internationale Organisation verstand ihre Rolle als Förderer, Vernetzer und Katalysator.

Diese Haltung wurde zur Grundlage für die folgenden Jahrzehnte. Forschungseinrichtungen, Behörden, Nichtregierungsorganisationen, Baumschulen, Landwirte und Mitglieder des Handwerks arbeiteten in unterschiedlichen Projekten zusammen.

2001–2008 – Aus der Idee werden konkrete Projekte

IPCI-Mitglieder bei einer Pau-Brasil-Pflanzung in Serra Grande
IPCI-Mitglieder pflanzen Pau-Brasil im Botanischen Garten Serra Grande, Bahia.

Schon die frühen Projekte verbanden Pflanzung, lokale Infrastruktur und Bildungsarbeit. 2001 unterstützte die IPCI unter anderem FUNBRASIL beim Bohren von Brunnen und förderte eine Pau-Brasil-Aktion in sechs Gemeinden des Bundesstaates Pernambuco. Begleitende Vorträge und die Pflanzung von 15.000 Setzlingen an Schulen und in Stadtzentren machten deutlich, dass Schutz nur dann dauerhaft wirkt, wenn die Bevölkerung vor Ort einbezogen wird.

Mit dem Programa Pau-Brasil entstand von 2004 bis 2008 ein besonders umfassender Ansatz. Er kombinierte Bestandsaufnahme, wissenschaftliche Untersuchung, Setzlingsproduktion, Pflanzung, Beteiligung lokaler Gemeinschaften und musikalische Bildungsarbeit. Als langfristige Zielgröße wurde damals die Produktion und Pflanzung von 500.000 Pau-Brasil-Bäumen formuliert.

Baumschulen, Landwirtschaft und neue Modelle

Die Wiederaufforstung wurde nicht als isolierte Pflanzaktion verstanden. Baumschulen produzierten Jungpflanzen, Landwirte erhielten technische Beratung, Setzlinge wurden registriert und unterschiedliche Pflanzsysteme erprobt. Auf der Fazenda Bolandeira wurden beispielsweise 4.000 Setzlinge auf 21 Hektar gepflanzt. Solche Projekte sollten zeigen, wie Erhaltung und ökonomisch sinnvolle Landnutzung miteinander verbunden werden können.

2007 erhielt das Programa Pau-Brasil zusätzlich 16.000 Jungpflanzen sowie rund 15 kg Saatgut – etwa 52.500 Samen – aus einer Spende der Firma Horst John an CEPLAC. Der Umfang der Projekte wuchs damit ebenso wie die wissenschaftliche Datengrundlage.

Pau-Brasil-Setzlinge in einer Baumschule
Setzlingsproduktion als Grundlage der Wiederbepflanzung.
Pau-Brasil-Pflanzprojekt auf der Fazenda Bolandeira
Fazenda Bolandeira: 4.000 Setzlinge auf 21 Hektar.

Wissenschaft wird zum Fundament

Die IPCI-Projekte entwickelten sich früh von der reinen Pflanzung zu einem Forschungsprogramm. Aus den Inventuren des Programa Pau-Brasil entstanden Untersuchungen zu Saatgut und botanischem Material, Böden, natürlichen Fraßfeinden und genetischer Vielfalt. Ziel war nicht nur, möglichst viele Bäume zu pflanzen, sondern zu verstehen, welche Bäume unter welchen Bedingungen langfristig überleben und welche Eigenschaften für Erhaltung und mögliche nachhaltige Nutzung entscheidend sind.

Experimentelle Pau-Brasil-Pflanzung 2015
Experimentelle Pflanzung 2015: Wachstum und Standortbedingungen werden vergleichbar.
APNE-IPCI-Feldexkursion mit Wissenschaftlern und Teilnehmern lokaler Universitäten
APNE/IPCI-Feldexkursion mit Wissenschaftlern und Teilnehmern lokaler Universitäten.

Vom Pflanzen zum Langzeitwissen

Ab 2013 vertiefte sich die Zusammenarbeit unter anderem mit dem Instituto Floresta Viva (IFV). 2015 wurde gemeinsam mit der Associação Plantas do Nordeste (APNE) ein Programm entwickelt, das Wachstum und Holzqualität von Pau-Brasil in Plantagen mehrerer Bundesstaaten Nordostbrasiliens untersuchte. Regelmäßige unabhängige Bewertungen begleiteten die Arbeiten.

Die 25‑Jahre-Bilanz nennt 18 abgeschlossene wissenschaftliche Projekte und fünf Kartenwerke. Aktivitäten fanden in 69 Gemeinden Bahias und in 14 Gemeinden anderer Bundesstaaten statt. Entscheidend ist weniger die einzelne Zahl als die Entwicklung dahinter: Aus punktuellen Pflanzungen entstand eine belastbare Wissensbasis für Schutz, Waldbau und langfristige Nutzungsperspektiven.

2019 – Naturschutz wird sichtbar

Nach zwei Jahrzehnten Projektarbeit wurde die Vermittlung an Musiker und Öffentlichkeit immer wichtiger. 2019 begleitete der österreichische Filmemacher Peppo Wagner Mitglieder der IPCI in Brasilien. Daraus entstand der 52‑minütige Dokumentarfilm Vollendeter Klang – Das Holz der Bogenmacher.

Der Film verbindet Wiederaufforstung, Wissenschaft und Bogenbau mit den Stimmen von Musikern. Damit wurde ein zentraler Gedanke der IPCI für ein breiteres Publikum sichtbar: Der Schutz von Pau-Brasil betrifft nicht nur eine Baumart oder ein Handwerk, sondern eine Verbindung von Natur, kultureller Tradition und Musik.

Peppo Wagner bei Dreharbeiten in Brasilien
Dokumentarfilmer Peppo Wagner bei den Dreharbeiten 2019.

Seit 2007 – Naturschutz trifft internationales Artenschutzrecht

IPCI bei einer CITES-Konferenz
IPCI-Mitglieder nehmen seit 2007 aktiv an CITES-Tagungen teil.

Mit der Aufnahme von Pau-Brasil in CITES-Anhang II im Jahr 2007 kam eine zweite große Aufgabe hinzu. Die IPCI beteiligte sich fortan aktiv an CITES-Tagungen und Arbeitsgruppen. Dabei ging es darum, den Schutz der Art mit nachvollziehbaren Regeln für das Handwerk und die internationale Nutzung von Bögen zu verbinden.

Nach der CoP19 2022 verlagerte sich ein Teil der Arbeit verstärkt auf Herkunftsnachweise und Rückverfolgbarkeit. Zu den daraus entstandenen Ansätzen gehören die Kampagne Know Your Bow, die Unterstützung von Bestandsregistrierungen, die Entwicklung eines Kennzeichnungssystems für neu hergestellte Bögen und ein standardisiertes Dokument zur Deklaration der verwendeten Materialien.

Diese Arbeit erweitert den ursprünglichen Naturschutzgedanken: Nicht nur der Baum im Wald, sondern auch der legale und transparente Weg des Materials bis zum fertigen Bogen wird Teil der Verantwortung.

2022–2023 – Ein breiteres internationales Netzwerk

2022 entstand eine Partnerschaft mit der International Alliance of Violin & Bow Makers for Endangered Species. Sie verstärkte die internationale Öffentlichkeitsarbeit durch Spendenkampagnen, Newsletter, Vorträge, Präsentationen und Informationen für Musiker, Schulen und Werkstätten.

Gleichzeitig organisierte sich der europäische Teil der IPCI neu: Aus IPCI COMURNAT wurde nach der CoP19 die IPCI France Europe. Damit öffnete sich die Organisation stärker für Mitglieder aus ganz Europa. 2023 trafen sich Mitglieder der neuen europäischen Struktur in Paris – am selben Ort, an dem die Geschichte der IPCI 2000 begonnen hatte.

Mitglieder von IPCI France Europe in Paris 2023
Mitglieder von IPCI France Europe, Paris 2023.

25 Jahre IPCI – eine Zwischenbilanz

Die 2024 veröffentlichte Bilanz weist für die Pflanzprojekte der IPCI insgesamt bis zu 340.800 Setzlinge aus. Davon wurden bis zu 230.800 mit Blick auf eine zukünftige nachhaltige Nutzung gepflanzt und bis zu 110.000 in Naturschutzgebieten sowie öffentlichen und kulturellen Bereichen. Hinter diesen Zahlen stehen 25 Jahre Zusammenarbeit mit brasilianischen Institutionen, Landwirten, Wissenschaftlern, Behörden und Nichtregierungsorganisationen.

Ebenso wichtig ist, was sich strukturell verändert hat: Die IPCI begann als Initiative eines kleinen Berufsstandes. Heute verbindet ihre Arbeit Aufforstung, Grundlagenforschung, Waldbau, Bildung, internationale Politik und die Dokumentation legaler Materialherkunft. Naturschutz und die Bewahrung eines kulturellen Handwerks werden nicht als Gegensätze behandelt, sondern als gemeinsame Aufgabe.

Ausgewachsener Pau-Brasil-Baum
Der Blick nach vorn: Schutz, Wiederbepflanzung und langfristig tragfähige Nutzung.

Die nächste Etappe

Die Publikation zum 25‑jährigen Bestehen beschreibt die Zukunft deshalb nicht als Abschluss, sondern als nächste Phase. Die Zusammenarbeit mit brasilianischen Partnern soll fortgesetzt, Wissenschaft und Wiederbepflanzung weiter finanziert und ein rechtlicher Rahmen gefördert werden, der die nachhaltige Nutzung von in Plantagen gewachsenem Pau-Brasil ermöglicht.

Die Erfahrung der ersten 25 Jahre zeigt dabei vor allem eines: Langfristiger Artenschutz entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme. Er braucht verlässliche Partnerschaften, wissenschaftliche Kontrolle, gesellschaftliche Akzeptanz und die Bereitschaft, Strategien immer wieder an neue Erkenntnisse anzupassen.